Immunadsorption – Autoimmunität rasch und gezielt korrigieren ohne Fremdeiweiß

Satellitensymposium bei der ANIM 2010, 20.-23.Januar 2010 in Bad Homburg

Mehr als 1.200 Neurologen aus ganz Deutschland nahmen an der diesjährigen 27. ANIM, der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin, vom 20. bis 23. Januar im Kurhaus Bad Homburg teil. Viel beachtet wurde das Satellitensymposium Immunadsorption – Autoimmunität rasch und gezielt korrigieren ohne Fremdeiweiß am Freitag mit 200 Teilnehmern. Das Symposium präsentierte unter Vorsitz von Prof. Gold (Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum) und Prof. Klingel (Apherese Forschungsinstitut, Köln) spannende Vorträge zum Einsatz der selektiven Immunadsorption (IA) bei autoimmunen neurologischen Erkrankungen. Im Fokus stand hierbei insbesondere die Multiple Sklerose.

Prof. Gold stellte eindrucksvoll die Einsatzmöglichkeiten der Immunadsorption bei der Multiplen Sklerose vor. Dr. Kitze (Universitätsmedizin Göttingen), Dr. Trebst (MHH Hannover) und Prof. Mauch (Neurologische Fachklinik Dietenbronn) stellten hierzu ihre aktuellen Ergebnisse aus klinischen Studien und Erfahrungen aus der Praxis vor. Bei allen Patienten waren nach einer Serie von Immunadsorptionen entweder Verbesserungen zu erreichen oder zumindest ein Stillstand der Krankheitsprogression. Selbst in den Verlaufsbeobachtungen hat sich die Mehrzahl der Patienten weiter verbessert oder ist zumindest stabil geblieben. Prof. Gold stellte heraus, dass „bei der Behandlung der Multiplen Sklerose mit monoklonalen Antikörpern Szenarien entstehen können, die eine rasche Elimination der Substanzen erfordern können, wie z.B. die Entstehung einer PML bei Natalizumab. Hier sprechen die Daten für eine Überlegenheit der Immunadsorption.“

Prof. Haupt (Uniklinik Köln) und Dr. Köhler (Neurologisches Fachkrankenhaus Wermsdorf) stellten die Einsatzmöglichkeiten der Immunadsorption bei weiteren autoimmunen Krankheitsbildern vor: GBS, CIDP, Myasthenia gravis, Stiff-Man-Syndrom, Lambert-Eaton-Syndrom und Miller-Fisher-Syndrom. Bei schweren Fällen oder wenn herkömmliche Therapien nicht wirken, gehört auch hier die Immunadsorption zum festen Repertoire vieler neurologischer Kliniken und Krankenhäuser.

Die Immunadsorption entfernt bei autoimmunen Erkrankungen gezielt im Plasma zirkulierende Autoantikörper und Immunkomplexe mit dem Tryptophan-Adsorber Immusorba® TR-350. Sie kommt ohne die Substitution von Fremdeiweiß enthaltenden Lösungen aus und wird zunehmend bevorzugt. Patienten erhalten ausschließlich ihr eigenes, gereinigtes Plasma zurück. Die rasche Absenkung der Antikörper-Konzentration löst Umverteilungsprozesse der Eiweiße im Plasma aus: es kommt zu einer Veränderung des Eiweißprofils und damit einer Immunmodulation. Die Immunadsorption wirkt mit geringer zeitlichen Verzögerung, ist sehr sicher und nebenwirkungsarm.

Erkenntnisse zur Bedeutung von Autoantikörpern bei Autoimmunerkrankungen haben die Plasmapherese zu einem festen Bestandteil der Leitlinien zur Therapie autoimmuner neurologischer Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie gemacht. Fünf Behandlungen innerhalb von 8-10 Tagen stellen ein allgemeines Therapieschema dar, um die eskalierende Immuntherapie bei schwerer akuter Symptomatik, fehlender bzw. nicht ausreichender Wirksamkeit oder schweren Nebenwirkungen von Medikamenten zu komplettieren.

Zum besseren Verständnis von weiteren Fachbegriffen besuchen Sie gerne auch unser Glossar.

© DIAMED Medizintechnik GmbH, Februar 2012